Es war ein Abend in Rot. Zum ersten Mal riefen die Atlanta Falcons im Mercedes-Benz Stadium zu einem stadionweiten Red Out auf. Die beiden Endzones leuchteten rot, das Team lief in seinen roten Heimtrikots auf. Doch den emotionalen Höhepunkt des Sunday Night Games erlebten die Fans in der Halbzeitpause, als einer der prägendsten Defensivspieler der Geschichte der Falcons seinen Platz unter den Größten des Franchise einnahm. Der frühere Star-Pass-Rusher John Abraham wurde als 15. Mitglied in den Ring of Honor der Falcons aufgenommen. Eine Ehre, die bereits früheren prägenden Falcons-Spielern wie Matt Ryan, Deion Sanders, Todd McClure und Roddy White zuteilgeworden war.
Mike Smith würdigt seinen früheren Star
Für die Ehrung kehrte der ehemalige Head Coach Mike Smith, der Abraham fünf Saisons lang trainiert hatte, nach Atlanta zurück, um die Zeremonie im Mercedes-Benz Stadium zu eröffnen. Seine Worte ließen keinen Zweifel daran, welchen Stellenwert Abraham für ihn hat: Er sei "einer der gefürchtetsten Pass Rusher, die dieses Spiel je gesehen hat."
Auf dem Feld wurde es anschließend familiär. Abrahams vier Töchter trugen Trikots mit seiner alten Nummer 55, ehe der 48-Jährige seine rote Ring-of-Honor-Jacke überreicht bekam. Wie aufgewühlt er war, hatte Abraham schon vor dem Spiel zugegeben: "Ich bin nervöser als zu meiner Zeit als Spieler."
Der Sack-König der Falcons
Die Falcons holten Abraham 2006 per Trade von den New York Jets nach Atlanta. In sieben Saisons wurde er zum Fundament des Pass Rush: 68,5 Sacks in 102 Spielen bedeuten bis heute den offiziellen Franchise-Rekord, seit Sacks 1982 in die offizielle Statistik aufgenommen wurden. Dazu kommen 25 Forced Fumbles und die drittmeisten Tackles for Loss in der Geschichte des Franchise.
Auch ligaweit gehört Abraham zu den Besten seiner Position. In 15 NFL-Saisons bei den Jets, den Falcons und den Arizona Cardinals sammelte er insgesamt 133,5 Sacks – Platz 14 in der ewigen Bestenliste. Mit 48 Forced Fumbles liegt er sogar auf Rang drei; nur Robert Mathis und Julius Peppers erzwangen mehr. Hinzu kommen fünf Pro-Bowl-Nominierungen und mehrere All-Pro-Auszeichnungen. Für die Class of 2026 der Pro Football Hall of Fame war Abraham überdies einer von 128 nominierten Kandidaten.
"Ein Albtraum für jeden Tackle"
Wie unangenehm Abraham für seine Gegner war, bekam ausgerechnet der heutige President of Football der Falcons täglich zu spüren. Als Matt Ryan 2008 nach Atlanta kam, war Abraham bereits etabliert. Im Training gegen ihn zu stehen, habe ihm gezeigt, wie elitäres Pass Rushing aussieht, erinnert sich Ryan. Abraham sei "ein Albtraum für jeden Tackle" gewesen und habe immer dann geliefert, wenn ein Sack, ein Stop beim Third Down oder ein Momentumwechsel gebraucht wurde.
Hinter diesem Talent steckte viel harte Arbeit: Abraham studierte Offensive Linemen und Protections akribisch und entwickelte für jeden Gegenspieler einen eigenen Plan.
Abrahams Vermächtnis beschränkt sich jedoch nicht auf seine Leistungen auf dem Feld. Auch abseits des Feldes hat er einen weiten Weg hinter sich. Nach seiner Karriere kämpfte er mit persönlichen Problemen und spricht heute offen darüber. Seit Jahren setzt er sich für mentale Gesundheit ein, insbesondere unter ehemaligen Spielern, und macht gezielt auf die Langzeitfolgen von Kopfverletzungen aufmerksam.
Nächste Ehrung folgt im Dezember
Mit der Aufnahme in den Ring of Honor würdigen die Falcons nicht nur Abrahams beeindruckende Statistiken, sondern auch seinen prägenden Einfluss auf die Franchise. Seine 68,5 Sacks im Trikot Atlantas bleiben ein Maßstab für die nachfolgenden Generationen und machen deutlich, warum er zu den bedeutendsten Defensivspielern der Teamgeschichte zählt.
Die nächste Aufnahme steht bereits fest: In Woche 16 gegen die Tampa Bay Buccaneers wird Bill Fralic posthum als 16. Mitglied in den Ring of Honor aufgenommen.
















